Hier finden Sie von Mai 2017 an alle Berichte von unseren Leseabenden

 
Bericht vom Leseabend am 12.9.2017
Wir hatten einen vergnüglichen Abend! Rita Roth las uns aus ihrem Band:
"Sanddornküsse & Meer". Es war die erste Lesung daraus - aber beileibe nicht die erste Lesung der Autorin. Sie las routiniert, und erzählte uns vorher aus ihrem Leben und vom Beginn ihres Schreibens. Als Beamtin bei der Telekom „frühpensioniert“, begann sie mit dem Verfassen von Kurzgeschichten. Insgesamt sind das fünfundzwanzig „100-Wort-Geschichten“ geworden, z.B. mit dem Titel „Meeresgeflüster“ oder „Nicht alle Tassen im Schrank“, wobei die Überschrift bei den 100 Worten natürlich nicht mitzählt. Sie hat damit an Wettbewerben teilgenommen und auch einen Preis gewonnen, und sie dann als E-Books veröffentlicht. Eine dieser Geschichten, zur nachfolgenden Norderney-Erzählung passend das „Meeresgeflüster“, las sie uns zum Beginn. Schöne Lyrik, angenehm zuzuhören.
Rita Roth berichtete uns dann, wie sehr sie Norderney liebe und da ist es naheliegend, dass sie von dieser Insel erzählt. Sie macht das auch in der Ich-Form, und es wird schnell klar, dass eigene Erlebnisse mit hineinspielen. Anschaulich zeigte sie uns beim Lesen, wie der DJ in der Milchbar agiert (köstlich!), und von ihr aufgeschnappte, teils pikante, Wortfetzen der Party-Gäste, werden von ihr wörtlich wiedergegeben.
So etwas notiert sie sich im jeweiligen Fall sofort, ließ sie uns wissen.
Die Protagonistin der Erzählung will auf Norderney ein neues Leben anfangen. Früher war sie immer mit Oma dagewesen. Sie trifft sich nun mit Bekanntschaften aus dem Internet, und wir dürfen teilhaben an der amüsanten Schilderung der Autorin von deren Aussehen, nick-names und Verhalten. Dabei bedient sie sich sehr bildhafter Sprache.
Zum Beispiel: „strahlte wie ein Leuchtturm“, das haben wir so noch nicht gehört, diese Redensart, aber sie passt wunderbar ins Konzept.
Rita Roth versprach das Erscheinen einer Fortsetzung im Herbst dieses Jahres, und wir Zuhörer waren uns einig, auch das wird ein Erfolg!
Zum Abschluss hörten wir noch eine weitere 100-Wort-Geschichte und viel Applaus zeigte, wie angetan alle von dem gesamten Vortrag waren.
Begleitet wurde die Autorin von weiteren drei Mitgliedern der „Osnabrücker Ersttäter“.
Wir erfuhren, dass mehrere Krimi-Autoren sich unter dieser Bezeichnung zusammengeschlossen haben und sich regelmäßig zum Austausch treffen, so, wie wir es im Oldenburger Leseforum auch tun. Wir freuten uns sehr über diesen Besuch von „auswärts“ und wir bleiben gewiss in Kontakt.
Hanna Seipelt
 
 
 

Bericht vom Leseabend mit Karl-Heinz Knacksterdt vom 8. August 2017 

erstellt von Hannelore Begerow, Fotos Rolf Glöckner 

Der Leseabend vom 8. August 2017 mit Karl-Heinz Knackstedt war gut besucht. Der Autor las aus seinem Buch „Die wunderbaren Existenzen von Adam und Eva“, dem dritten und letzten Band seiner Trilogie „Große Frauen der Bibel“. Er geht sehr phantasievoll mit den Gestalten aus der Schöpfungsgeschichte um, weit über die biblischen Texte hinaus, was Zeit und Raum des Geschehens betrifft. 
Einfühlsam schildert er, wie Adam, der Mensch, und Eva, das Leben, einander im Paradies Existenz entdecken aber leider Eva auf die Schlange hört. So verlieren sie ihre erste Existenz.
Sie werden fortgespült in eine reale Welt, in der sie sich eine Existenz aufbauen und dort gerne mit ihren Söhnen leben. Eva leidet sehr, als Kain seinen Bruder Abel erschlagen hat und will nicht weiter mit Adam und Seth leben. Sie geht fort aus deren Welt und erlebt viele Abenteuer, von denen der Autor aus Zeitgründen leider nicht mehr berichten kann. Doch Eva kehrt zurück. 
Adam und Eva sind nun im Heute angelangt. Adam ist Angestellter der Stadt Hildesheim und führt Touristen zu allen Sehenswürdigkeiten. Am Abend trinken sie zum Abschluss in Evas Lokal ein Bier. Dabei erzählt Adam ihnen dann die Geschichte von ihren drei Existenzen. Knackstedts Eva muss eine sehr interessante Frau sein!

  

Fotos: Rolf Glöckner

Moderation Hanna Seipelt

Lesung im Lesefoum, 11. Juli 2017

Bei der Juli-Lesung im Leseforum war Hannelore Begerow zu Gast, die aus ihrem autobiografischen Roman „Hanna mit der Hand“ las.

Zunächst berichtete die Autorin die Entstehungsgeschichte des Buches. Nach dem Fall der Mauer fuhren sie und ihr Mann in die fünf neuen Bundesländer und begegneten dort einem Ehepaar, mit dem sie sich anfreundeten. Beide Frauen teilten das gleiche Schicksal – beide sind am gleichen Tag gleich nach dem Krieg mit der Mutter aus Westpreußen in den Westen geflohen. Die beiden tauschten ihre Geschichte in einem langen Briefwechsel aus und daraus entstand schließlich der Roman „Hanna mit der Hand“.

Hanna mit der Hand, das ist die Mutter der Autorin, die nach einem Unfall als Kind eine verkrüppelte Hand hat, eine Tatsache, die, so die Autorin, den Charakter der Mutter stark prägte, da sie immer darauf bedacht war, ihre Behinderung zu verstecken. Die Geschichte Hannas steht im Mittelpunkt des Romans, aber eigentlich ist es die Geschichte eines Kindes im Nationalsozialismus, im Krieg und in der Nachkriegszeit. Durch die Augen der kleinen Hannelore wird Alltagsgeschichte geschildert. Sei es, wie das kleine Mädchen dem Vater den gefüllten Henkelmann in die Fabrik bringt, wie die Wohnung der Familie in einer Kleinstadt am Rhein aussah, was ihre liebsten Spiele waren oder was man aus den Fenstern sehen konnte. Als ein Bruder geboren wird, kommt das kleine Mädchen für einige Wochen zur Großmutter nach Ostpreußen und als Leser erlebt man mit, wie sehr der kleinen Hannelore die Unterschiede zwischen Stadt und dem noch deutlich ärmlicheren Land auffallen.

Abschließend las Hannelore Begerow noch einen Abschnitt aus ihrem Buch, der sich mit Oldenburg in der Nachkriegszeit beschäftigt. Nach der geglückten Flucht geht die kleine Hannelore zum ersten Mal in die völlig überfüllte Cäcilienschule, wo einige der Lehrer den Flüchtlingen gegenüber große Vorbehalte haben. Hannelore aber beschließt, diesen Lehrern zu beweisen, dass auch Flüchtlingskinder etwas zu lernen in der Lage sind.

Das Buch „Hanna mit der Hand“ ist 1992 entstanden und bislang leider nicht veröffentlicht worden.

Bericht: Marlies Folkens 

 

 

Moderation Manfred Brüning

Lesung am 09.05.2017 im Mephisto

Maren Bohm, eine Autorin aus Bremen war im Leseforum zu Gast. Schon schnell war klar, es wird ein besonderer Abend. Allein die Verwandlung der modern gekleideten Autorin in eine historische Persönlichkeit vermittelte den Eindruck,  in eine andere Zeit einzutauchen. Eine Zeit, die wir uns kaum vorstellen können.

Die Autorin führte uns in das Jahr 1099 zurück. Mit dem Buch „Die Rückkehr der Pilgerin“  setzte sie ihren Roman „Die Pilgerin von Passau“ fort, der im Jahr 1096 angesiedelt war.  Neben Lesepassagen aus dem neueren Werk schilderte sie eingehend die verhängnisvollen Ereignisse, die alle historisch hinterlegt sind.  Auch die meisten Personen ihrer Erzählungen haben tatsächlich gelebt.

Ein Kreuzzug, der grausamer kaum sein konnte,  bildet die Grundlage beider Bücher, in der sich Alice, eine anfangs 15-jährige Kaufmannstochter in Graf Bernhard von Baerheim verliebt und eine Affäre mit ihm beginnt, die zu einem gemeinsamen Kind führt. Eine Heirat zwischen Adeligen und Bürgerlichen war seinerzeit ausgeschlossen.

Alice verliert während eines grausamen Überfalls ihr Kind und nimmt ein fremdes als ihr eigenes an.  Bernhard wird grausam ermordet.

Seinerzeit wurden Morde nie aufgeklärt, weil fast immer Aufträge Hochadeliger dahintersteckten, die das zu verhindern wussten.  Die Immunität war ihnen sicher.  Die Machtpolitik zwischen Papst und Kaiser sind Hintergrund der beeindruckenden Werke der Autorin.

Nach viel anerkennendem Applaus für die Autorin  wurden etliche Punkte aus dem Alltag der Autoren des Leseforums erörtert, die Hanna Seipelt in einem Protokoll zusammenfasste. 

Anita Jurow-Janßen

Fotos von Marlies Folkens